// Kultur

Sonntag, 25. April 2010

Eröffnung

Update: Ein Buch-o-mat für Kiel

Für jeden Buchgeschmack hält der Buch-o-mat das Passende bereit. Foto: Vrcic
Für jeden Buchgeschmack hält der Buch-o-mat das Passende bereit. Foto: Vrcic

Am Sams­tag, den 24. April war es end­lich soweit: Die Lan­des­haupt­stadt bekam ihren ers­ten Buch‐​o‐​mat. Anne Nil­ges vom Minis­te­rium für Bil­dung und Kul­tur weihte die­sen vor der Gale­rie „Kiel­kind“ in der Kleist­straße offi­zi­ell für das Kie­ler Publi­kum ein. Bei Würst­chen, Bier, Kaf­fee und Kuchen wech­sel­ten die Bücher ihre Besitzer.

Aber was ist über­haupt ein Buch‐​o‐​mat? Es ist ein etwa 2,5 m hohes Objekt mit einer Anzahl von Käs­ten in ver­schie­de­nen Grö­ßen, in denen Bücher aus allen The­men­be­rei­chen ste­hen. Es ist ein Ort, der kos­ten­lo­sen Wei­ter­gabe von gele­se­nen Büchern im öffent­li­chen Raum, in dem jeder stö­bern kann, ein Buch mit­neh­men oder dazu stel­len kann. Rund um die Uhr ist der „Buch‐​o‐​mat“ zugäng­lich. Eine Sitz­bank vor der Gale­rie lädt ein, sich in Ruhe ein Buch anzu­se­hen und mit ande­ren ins Gespräch zu kommen.

Die Idee

Der Buch‐​o‐​mat in der Kleiststr.62a. Foto:Vrcic
Die Idee kam Uta Kath­leen Kalt­hoff und Sven Schwarz bei einem ihrer Besu­che in Ber­lin. Am Prenz­lauer Berg steht seit Juni 2008 der soge­nannte Bücher­wald. Der Bücher­wald ent­stand in einer inter­dis­zi­pli­nä­ren Zusam­men­ar­beit von Aus­zu­bil­den­den der an der Wert­schöp­fungs­kette Wald– Holz– Buch betei­lig­ten Berufs­grup­pen. Initi­iert vom Bun­des­in­sti­tut für Berufs­bil­dung (BIBB) wurde das Pro­jekt geför­dert im Rah­men des BMBF– Pro­gramms „For­schung für nach­hal­tige Wald­wirt­schaft (FONA)gefördert. Und so ent­puppt sich beim genaue­ren Hin­se­hen der ver­meint­li­che Baum als Bücher­re­gal. Ähn­li­ches exis­tiert auch bei­spiels­weise in Han­no­ver, Bonn und in Stutt­gart. In einer pri­va­ten Initia­tive sowie mit Unter­stüt­zung durch das Land und die Lan­des­haupt­stadt kre­ier­ten die bei­den Gale­ri­e­in­ha­ber ihren Buch‐​o‐​mat für Kiel. Sie hof­fen, dass der Buch‐​o‐​mat viele Nach­ah­mer fin­det. Uta Kath­leen Kalt­hoff könnte sich einen wei­te­ren Buch‐​o‐​mat zum Bei­spiel sehr gut am Schre­ven­park oder aber auch in Gaar­den vor­stel­len. Die rei­nen Mate­ri­al­kos­ten für einen Buch‐​o‐​mat bezif­fert Sven Schwarz mit etwa 200 bis 250 ¤. Und trotz der sehr ein­fa­chen Bau­weise hat sich der Buch‐​o‐​mat gegen­über dem Kie­ler Wet­ter schon behaup­ten kön­nen: den ers­ten Regen haben sowohl der Buch‐​o‐​mat als auch die darin behei­ma­te­ten Bücher bes­tens überstanden.

Der erste Tausch

Und so habe auch ich bei der Gele­gen­heit ein ers­tes Buch getauscht. Die Wahl ist mit nicht schwer gefal­len. Also ich von der Eröff­nung des Buch‐​o‐​mats hörte, war mir sofort klar, wel­ches Buch ich tau­schen wol­len würde. Es gibt nur wenige Bücher, die ich in mei­nem bis­he­ri­gen Leben ange­fan­gen aber nicht zu Ende gele­sen habe. Ein sol­ches Buch ist Orhan Pamuks „Schnee“. Er gewann 2006 den Lite­ra­tur­no­bel­preis und die New York Times zeich­nete sei­nen Roman als bes­tes aus­län­di­sches Buch des Jah­res 2004 aus. Beein­dru­ckend, nicht wahr? Ich habe es trotz­dem vor­zei­tig zur Seite gelegt. Seite für Seite habe ich mich gequält und schließ­lich auf­ge­ge­ben – ohne dem Buch eine zweite Chance zu geben. Im Gegen­zug habe ich Chris­toph Heins „Dra­chen­blut“ mit­ge­nom­men. Im Klap­pen­text heißt es „…das böseste Buch der Sai­son.“ Das hat mich angesprochen.

Tausch­ge­schäfte

Außer­dem kön­nen Bücher kos­ten­los im Inter­net bei Por­ta­len wie Tausch­ti­cket, Hit­flip oder auch Book­cros­sing getauscht wer­den. Und auch im Statt‐​Cafe in der Stadt­ga­le­rie oder im Cafe Pholl­kom­plex fin­det ihr Bücher­re­gale, die nach dem­sel­ben Prin­zip neu bestückt und wie­der ent­las­tet wer­den. Das Motto heißt dem­nach „ Nicht weg­schmei­ßen, son­dern tau­schen“. Und sicher­lich hast auch du ein Buch im Regal ste­hen wel­ches jemand ande­ren erfreuen könnte.

Aus­stel­lung bei kielkind

Neben dem Besuch des Buch‐​o‐​mats lohnt es sich aus­ser­dem einen Blick in die aktu­elle Aus­stel­lung „von Comic bis Prosa“ zu wagen. Die Gale­rie Kiel­kind zeigt noch bis zum 30. April Arbei­ten der bei­den Künst­ler Gre­gor Hinz und Tim Eck­horst. Letzte Gele­gen­hei­ten die Aus­stel­lung zu besu­chen, bie­ten sich am don­ners­tag und frei­tag jeweils zwi­schen 15 und 18 Uhr. Im flie­gen­den Wech­sel wird dann auch schon bald die nächste Aus­stel­lung eröff­net und so lädt die Gale­rie kiel­kind am 07. Mai um 19 Uhr zur Ver­nis­sage. Bis zum 28. Mai prä­sen­tie­ren Kirs­ten Brün­jes, Ute A. Fischer, Susanne Meiss­ner dann ihre kera­mi­sche Plas­ti­ken. Die Aus­stel­lung „K.U.S.“ ist jeweils diens­tags von 16 bis 20 Uhr, don­ners­tags und frei­tags zwi­schen 14 und 18 Uhr sowie sonn­tags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Über den Autor

Anita Vrcic Anita Vrcic

Als diplo­mierte Ur– und Früh­ge­schicht­le­rin inter­es­siere ich mich nicht aus­schließ­lich für alte Kul­tu­ren, son­dern auch für Zeit­ge­nös­si­sches. Ich mag Lite­ra­tur, Kunst, Musik, Filme und Theater.

facebook

 

Werbung