// Kultur

Mittwoch, 08. September 2010

Nuhr die Ruhe

Dieters Winterbesuch in Kiel

Bild: Dieter Nuhr
Bild: Dieter Nuhr

Jedes Jahr wie­der besucht der Kaba­ret­tist Die­ter Nuhr die nörd­lichste Lan­des­haupt­stadt in der grauen Jah­res­zeit. Eine Zeit für dun­kele Gedan­ken und leichte Depres­sio­nen, die Die­ter Nuhr immer wie­der aus­zu­räu­men ver­sucht. Kein Wun­der, dass es da eine gehö­rige Por­tion Auf­re­ger geben wird, wenn er am Mitt­woch, dem 3. Novem­ber sein aktu­el­les Pro­gramm in der Spar­kas­sen­a­rena spielt.

Nuhr die Ruhe“ ist nicht nur der Titel sei­nes aktu­el­len Pro­gramms son­dern es ist die eigent­li­che Bot­schaft die er sei­nem Publi­kum zu ver­mit­teln ver­sucht. Egal ob Bin­nen­kon­junk­tur, die Rechen­künste von Ban­kern oder ver­gan­gene und aktu­elle Kri­sen – nach­denk­lich, iro­nisch und in einer bemer­kens­wer­ten Gelas­sen­heit phi­lo­so­phiert er über die aktu­el­len Themen.

Nuhr ist für Comedy nicht blöd genug und fürs Kaba­rett zu lus­tig. Seine Pro­gramme ste­hen unter Sinn­ver­dacht und konn­ten Vor­würfe der Intel­li­genz nie wider­le­gen. Er ist ein Grenz­gän­ger in Son­der­stel­lung. Und der Trä­ger des IQ‐​Preises belegt auch mit sei­nem neuen Pro­gramm, dass sich Geist und Witz nicht ausschließen.

Nuhr setzt der real exis­tie­ren­den Freud­lo­sig­keit unse­rer Kul­tur­schaf­fen­den eine neue Form der Kunst ent­ge­gen: die tief­sin­nige Welt­be­trach­tung, die den Heul­su­sen die­ser Welt vor­hält, dass es ein Leben vor dem Tod gibt. Nuhr hält Lebens­freude für eine Bür­ger­pflicht, wenn man das große Glück hat, in einer Hoch­kul­tur wie der unse­ren auf­zu­wach­sen. Schließ­lich leben wir in einem Land, das alles bie­tet, was man braucht, um dem Tod ein paar Jahr­zehnte lang die Stirn zu bie­ten: Frei­heit, Kunst und Schmerz­mit­tel. Wenn Pop­kul­tur der Gegen­pol zum kul­tu­rel­len Nega­ti­vis­mus ist, dann ist Nuhr ein Pop­star ers­ter Güte – und ein gro­ßer Künst­ler dazu!

Nuhrs Erfolgs­re­zept: Es wird weder rum­ge­heult, noch wer­den die übli­chen Stand­punkte daher­ge­be­tet. Nuhr ver­spritzt kei­nen Gei­fer, nervt nicht mit dümm­li­chen Hei­lungs­ver­spre­chen, Glücks­ga­ran­tien oder depres­si­vem Genör­gel. Und er ver­zich­tet auf ideo­lo­gi­sche Zurecht­wei­sun­gen. Bei ihm gibt es nicht mehr und nicht weni­ger als zwei Stun­den ver­quere Gedan­ken zur Zeit, die alles in Frage stel­len und trotz­dem Spaß machen – hoch­in­tel­li­gent und saukomisch.

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Über den Autor

Daniela Sonders Daniela Sonders

Suchte 2008 nach kiel4kiel und fand den För­de­flüs­te­rer. Wollte eigent­lich nur hier und da mal ne Kino­kri­tik schrei­ben und ver­sucht jetzt die­sen herr­lich wuse­li­gen Laden in Schach zu hal­ten. Das hat sie nun davon.

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