// RegionKiel

Samstag, 14. August 2010

BarCamp Kiel

Die Zukunft des Kieler Internets

Fördeflüsterer Alex beschäftigt sich mit dem Internet. (Foto: KIK)
Fördeflüsterer Alex beschäftigt sich mit dem Internet. (Foto: KIK)

Wäh­rend sich viele Ses­si­ons hier beim Bar­camp um die Anwen­dun­gen im Inter­net und deren Ent­ste­hung und Benut­zung dreh­ten, war­tet Chris­toph Bech­tel mit einem ganz ande­ren, aber nicht weni­ger inter­es­san­ten Thema in sei­ner Ses­sion auf. Es ging darin um die Zukunft der Infra­struk­tu­ren im Bereich Inter­net im Raum Kiel.

Der Breit­band­be­darf steigt von Jahr zu Jahr um 50 Pro­zent. Der mitt­lere Breit­band­be­darf liegt momen­tan bei 16 Mega­bit. Die­ser ist jedoch noch lange nicht für jeden Haus­halt und jedes Büro im loka­len Raum erreicht. Um einen star­ken Wirt­schafts– und damit auch Wohn­stand­ort Kiel zu schaf­fen, ist der Aus­bau die­ser Infra­struk­tur auch für die Lan­des­re­gie­rung von gro­ßem Inter­esse, denn der Wert von Immo­bi­lien sinkt, wenn keine ange­mes­sene Anbin­dung ans Netz vor­han­den ist. Das schafft Stand­ort­nach­teile, da sich das Inter­esse für der­ar­tige Objekte stark verringert.

Die aktu­elle Tech­nik kann das nicht leis­ten. Im Kie­ler Bereich tei­len sich etwa 12 Mit­be­wer­ber den Markt für ADSL, der eine Band­breite von 16 Mega­bit bereit­stel­len kann. Für VDSL „tei­len“ sich die Tele­kom und 1&1 den Kie­ler Markt. Breit­band­ka­bel bie­tet nur Kabel Deutsch­land an und kann 32 Mega­bit bewer­ben, doch die Anbin­dung in einem Kno­ten kann zu nied­ri­ge­ren Leis­tun­gen füh­ren.
In Kiel ste­hen 32 Haupt­ver­tei­ler, die oft in der Nähe von alten Post­fi­lia­len ange­sie­delt sind. Den Rest­weg – auch „letzte Meile“ genannt – mie­ten die ver­schie­de­nen Anbie­ter von der Tele­kom, um die Kun­den mit Inter­net zu ver­sor­gen. Je län­ger die Lei­tung der „letz­ten Meile“ ist, desto gerin­ger ist die Band­breite, die beim Kun­den ankommt.
Im Inter­esse der Anbie­ter liegt also eine Lösung, die es ermög­licht, Glas­fa­ser­netze bis in die Woh­nun­gen der End­kun­den zu legen und dar­über das Mono­pol der Lei­tun­gen in der eige­nen Stadt für sich zu bean­spru­chen. Dann müss­ten andere Anbie­ter, die ent­spre­chend schnel­len Lei­tun­gen bei dem betref­fen­den Unter­neh­men anmie­ten. Ein wei­te­rer Vor­teil daran wäre, dass diese hohe Inves­ti­tion an Glas­fa­ser­ka­beln, die für den loka­len Raum knapp 200 Mil­lio­nen Euro betrüge, sich lang­fris­tig loh­nen würde, weil dar­über im Prin­zip jede Band­breite rea­li­sier­bar wäre.

Nun mag man sich fra­gen, warum immer schnel­le­res Inter­net für die Ver­brau­cher not­wen­dig ist. Die Ant­wort liegt vor allem in der höhe­ren Qua­li­tät der mitt­ler­weile ver­teil­ten Daten im Inter­net. Wur­den vor eini­ger Zeit die Datei­größe der Bil­der, die wir ver­schick­ten immer grö­ßer, weil wir auf höhere Auf­lö­sun­gen Wert legen, zeich­nen sich eben­sol­che Trends im Videobe­reich ab, man denke nur an die fort­schrei­ten­den 3D‐​Filmtechnologien, die sich immer mehr durch­set­zen und bald auch für die Heim­ver­brau­cher rele­vant wer­den. Ein wei­te­res Bei­spiel ist das Gaming im Inter­net, so gibt es schon Ansätze, dass es nicht mehr nötig sein wird, die gekauf­ten Spiele auf dem hei­mi­schen Rech­ner zu instal­lie­ren, son­dern sich nur noch auf Hoch­leis­tungs­ser­vern ein­zu­log­gen und dort mit ande­ren Spie­lern aus aller Welt zocken zu kön­nen. All das frisst Band­breite, die bereit gestellt wer­den muss.

In Ost­asien und Skan­di­na­vien ist der Aus­bau die­ser neuen Tech­no­lo­gien schon sehr weit fort­ge­schrit­ten. Im euro­päi­schen Bereich liegt Deutsch­land eher im hin­te­ren Drit­tel, was der­ar­tige Inno­va­tio­nen angeht. Der­zei­tig ist vor allem Kiel­net ambi­tio­niert, eben­diese Infras­turk­tur im Kie­ler Raum aus­zu­bauen. Würde man zum jet­zi­gen Zeit­punkt mit dem Aus­bau begin­nen, würde es etwa sechs Jahre dau­ern, bis das Groß­pro­jekt umge­setzt wäre.

Über den Autor

Melanie Richter Melanie Richter

Zuge­zo­gene Leip­zi­ge­rin, die in Kiel Deutsch und Geschichte auf Lehr­amt stu­dierte und dann hier gern hän­gen­ge­blie­ben ist. Seit etwa 2003 schreibt sie für ver­schie­dene Sei­ten. Lieb­lings­the­men: Enter­tain­ment, Musik, Poli­tik, Gaming, Medien und alles was sonst noch span­nend ist.

Kommentare


Du bist nicht eingeloggt. Der Fördeflüsterer würde sich freuen, wenn Du Dich anmeldest oder Dich registrierst.

user icon  Tobias:

Ja, der Band­brei­ten­be­darf wird wei­ter wach­sen, so dass DSL schnell an die Gren­zen stößt. Da bleibt nur VDSL von Tele­kom, 1&1 oder Vod­a­fone oder das oben erwähnte Kabel Deutsch­land Breit­band Ange­bot. Und laut die­ser Mel­dung will Kabel Deutsch­land ja in Kiel sogar auf 100 Mbit auf­rüs­ten und damit wie­der vor VDSL lie­gen, was die maxi­male Band­breite betrifft: http://​www​.kabel​-inter​net​-tele​fon​.de/​n​e​w​s​/​2​6​2​3​-​k​a​b​e​l​-​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​-​h​i​g​h​s​p​e​e​d​-​i​n​t​e​r​n​e​t​-​m​i​t​-​1​0​0​-​m​b​i​t​-​b​a​l​d​-​i​n​-kiel – da stellt sich nur die Frage, wer nach Ablauf des Akti­ons­prei­ses dau­er­haft etwa 50 € für Inter­net aus­ge­ben will…

Sonntag, 15. August 2010, 23:37


kaffeeringe.de's Avatar

user icon  kaffeeringe.de:

Unter http://​bit​.ly/​msJ4w kann man sich anschauen, wie der Breit­band­aus­bau welt­weit aus­sieht und wie Deutsch­land im Ver­gleich dasteht.

Montag, 16. August 2010, 17:29


facebook

 

Hosting

 

Werbung