// Politik

Samstag, 23. Januar 2010

Schwarz-gelb hat nur noch eine Stimme Vorsprung

Die Mehrheit schrumpft

Landtagswahl Schleswig-Holstein
Landtagswahl Schleswig-Holstein

Eine Mehr­heit ist in der Demo­kra­tie immer von Vor­teil, je klei­ner diese ist, desto schwie­ri­ger kann es sein, die eige­nen Inter­es­sen in bestimm­ten Fäl­len durch­zu­set­zen. Im schleswig‐​holsteinischen Land­tag hat sich nun durch eine Neu­aus­zäh­lung der Stim­men aus Husum eine Ver­schie­bung erge­ben, die mög­li­cher­weise lang­fris­tig uner­freu­lich sein könnte, denn die regie­rende Koali­tion hat nun nur noch eine Mehr­heit von einer Stimme.

Nach den Land­tags­wah­len im Sep­tem­ber 2009 gab es eine Kopf an Kopf Ren­nen in Sachen Mehr­hei­ten. Mit einem Mini­mal­vor­sprung von zwei Stim­men setzte sich dann schwarz‐​gelb durch und damit wurde Peter Harry Cars­ten­sen wie­der Minis­ter­prä­si­dent. Eine Koali­tion aus SPD, Grü­nen und SSW kam nicht zustande und die drei Ver­tre­ter der drei Par­teien sit­zen jetzt auf der Oppositionsbank.

Nun, vier Monate nach der Wahl, wur­den die Stim­men eines Wahl­krei­ses neu aus­ge­zählt und es zeigte sich, dass dort beim ers­ten Mal ein Feh­ler unter­lau­fen war. Ins­ge­samt 928 Wahl­zet­tel wur­den noch ein­mal ange­schaut und das Ergeb­nis waren 32 zusätz­li­che Stim­men für die Linke. Diese waren bei ers­ten Zäh­len irgend­wie nicht erfasst wor­den. Das hat nun zur Folge, dass die FDP einen Sitz abge­ben muss und die­ser der Links­par­tei zufällt. Er wird durch den 25‐​jährigen Geschichts­stu­den­ten Björn Tho­roe besetzt und die FDP‐​Abgeordnete Chris­tina Musculus‐​Stahnke muss auf ihren Sitz im Land­tag verzichten.

Minis­ter­prä­si­dent Peter Harry Carstensen
Was folgt dar­aus?

Nun stel­len sich einige Fra­gen. Wurde auch in ande­ren Wahl­krei­sen nicht kor­rekt gezählt? Was wird aus der Klage, die der SSW und die Grü­nen bereits beim Land­ver­fas­sungs­ge­richt ein­reich­ten, da sich das Zwei­stim­m­en­er­geb­nis nicht in der Sitz­ver­tei­lung wider­spie­gelt? Und wird es der aktu­el­len Koali­tion gelin­gen, mit nur einer Stimme Vor­sprung eine sta­bile Poli­tik für unser Land machen zu können?

Inter­es­sant an die­ser Geschichte ist auch, dass es vor fünf Jah­ren schon ein­mal Pro­bleme mit einer ähn­li­chen Kon­stel­la­tion gab. Damals war Heide Simo­nis in der Situa­tion, dass sie sich mit nur einer Stimme Vor­sprung zur Minis­ter­prä­si­den­tin wäh­len las­sen wollte, was letzt­end­lich an einem Abweich­ler aus den eige­nen Rei­hen schei­terte. Peter Harry Cars­ten­sen hat diese Wahl schon hin­ter sich, aber es wird sicher­lich noch einige wich­tige Abstim­mun­gen in nächs­ter Zeit geben, bei denen das zum Pro­blem wer­den könnte.

Über den Autor

Melanie Richter Melanie Richter

Zuge­zo­gene Leip­zi­ge­rin, die in Kiel Deutsch und Geschichte auf Lehr­amt stu­dierte und dann hier gern hän­gen­ge­blie­ben ist. Seit etwa 2003 schreibt sie für ver­schie­dene Sei­ten. Lieb­lings­the­men: Enter­tain­ment, Musik, Poli­tik, Gaming, Medien und alles was sonst noch span­nend ist.

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