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Samstag, 24. April 2010

Mitarbeiterprotest

Die Kieler Nachrichten und ihre Leiharbeiter

Dunkle Wolken über dem Druckzentrum der Kieler Nachrichten - Foto: KIK
Dunkle Wolken über dem Druckzentrum der Kieler Nachrichten - Foto: KIK

Sie bedie­nen die Maschi­nen, die am Ende des Her­stel­lungs­pro­zes­ses der Kie­ler Nach­rich­ten die Bei­la­gen­wer­bung ein­fü­gen. Sie sta­peln die Zei­tung auf Palet­ten und ent­sor­gen den dabei anfal­len­den Müll. Sie füh­len sich als Teil der ein­zi­gen Kie­ler Tages­zei­tung und ihnen wurde zum 30.06.2010 gekün­digt. Jetzt pro­tes­tie­ren sie auf dem Asmus‐​Bremer‐​Platz dafür, dass die wah­ren Arbeits­be­din­gun­gen und die wah­ren Gründe für die Grün­dung eines Betriebs­rats für diese Mit­ar­bei­ter wahr­ge­nom­men wer­den und eine Lösung für ihre Pro­bleme gefun­den wird, weil es ihre Zei­tung nicht tut.

Die Gründe

2000 führte die Kie­ler Nach­rich­ten Leih­ar­bei­ter im Bereich der Bei­la­gen­wer­bung ein. Spä­ter wur­den diese Mit­ar­bei­ter durch die Firma Tabel aus Laat­zen gestellt. Im Zuge die­ser Umstruk­tu­rie­rung wur­den vie­len tarif­lich bezahlte Mit­ar­bei­tern aus dem Tarif gelöst und so deut­lich gerin­ger bezahlt. Dazu wur­den die Nacht– und Fei­er­tags­zu­schläge deut­lich gekürzt und Urlaubs­geld nicht mehr gezahlt. Mitt­ler­weile beschäf­tigt die Firma Tabel auch eine große Zahl an Mit­ar­bei­tern auf 400 Euro Basis. Dies ändert die Kie­ler Nach­rich­ten nun zum 01.07.2010, in dem sie über neue Auf­trag­neh­mer einen Lohn von 7,60 Euro zah­len möchte und keine 400 Euro Job­ber mehr beschäf­ti­gen möchte.

Mela­nie Mor­gen­stern und Mar­cus Roh­wer geht es um die wah­ren Gründe – Foto: KIK
Doch es geht den Grün­dern des Betriebs­rats über­haupt nicht um Geld. Es waren die Zustände, in denen die Beschäf­tig­ten arbei­ten muss­ten. Das Ver­hält­nis zwi­schen KN‐​Mitarbeitern und Leih­ar­bei­tern ist extrem gespannt. Einer der Aus­lö­ser war zum Bei­spiel die Ent­fer­nung der Hocker an den Maschi­nen. Wäh­rend einer Betriebs­pause, wenn zum Bei­spiel durch eine Panne an den Maschi­nen nicht gear­bei­tet wurde, stan­den Hocker zum Sit­zen bereit. Außer­dem wurde die feste Pau­sen­re­ge­lung abge­schafft und nur noch Pau­sen je nach Situa­tion erlaubt. All diese Rege­lun­gen und Pro­bleme wur­den durch die Betriebs­füh­rung der Kie­ler Nach­rich­ten im Druck­zen­trum her­vor­ge­ru­fen. Daher wird sie auch von den Leih­ar­bei­tern direkt für diese Zustände ver­ant­wort­lich gemacht. Um die Situa­tion, gemein­sam mit dem Auf­trag­ge­ber, zu ver­bes­sern, wurde von die­sen Mit­ar­bei­tern ein Betriebs­rat gegründet.

Die Kün­di­gung

Doch schon kurz nach der Grün­dung des Wahl­vor­stan­des rea­gier­ten sowohl die Kie­ler Nach­rich­ten als auch Tabel. Die Firma Tabel ver­langte mehr Geld von den Kie­ler Nach­rich­ten, da sie wahr­schein­lich von einer höhe­ren Gehalts­for­de­rung der Mit­ar­bei­ter aus­gin­gen, wor­auf­hin die Kie­ler Nach­rich­ten den Auf­trag an Tabel kün­dig­ten. Die Kie­ler Nach­rich­ten schrie­ben den Auf­trag neu aus und boten auch Tabel an sich an die­ser Aus­schrei­bung zu betei­li­gen. Auf Nach­frage durch den För­de­flüs­te­rer bei Tabel, ob man sich auch erneut bewor­ben habe, kam lei­der keine Ant­wort. Auch gegen­über den Mit­ar­bei­tern schweigt sich Tabel aus. Es gab keine Aus­hänge, keine Ver­samm­lun­gen oder andere Mit­tei­lun­gen, dass den Tabel­mit­ar­bei­tern zum 30.06.2010 gekün­digt wurde. Sie muss­ten es kurz vor der Wahl des Betriebs­rats durch ihre Zei­tung erfahren.

Die Ant­wort der Kie­ler Nachrichten

Pro­teste gegen Ent­las­sun­gen – Foto: KIK
Die­sen Don­ners­tag, 22.04.2010, schrieb die Kie­ler Nach­rich­ten, dass sie nun „klare Ver­hält­nisse im Druck­zen­trum Moor­see“ geschaf­fen habe. „Wir sind froh, dass wir durch­aus vor­han­dene Pro­bleme im Druck­zen­trum lösen konn­ten“, so das Blatt mit einem Zitat des Geschäfts­füh­rers Chris­tian Hein­rich wei­ter. Die Zei­tung betont erneut, dass die Kün­di­gung des Auf­trags nicht mit der Grün­dung des Betriebs­rats zusam­men hinge. Man sei aber besorgt, dass Außen­ste­hende Betriebs­räte für ihre eige­nen Ziele instru­men­ta­li­sie­ren. Wel­che „Außen­ste­hen­den“ dies seien und wel­che Ziele diese ver­fol­gen, schreibt die Kie­ler Nach­rich­ten nicht. Dazu kommt eine wei­tere Frage, denn wenn die Kie­ler Nach­rich­ten wegen der Preis­er­hö­hung der Firma Tabel den Ver­trag gekün­digt hat, warum zahlt sie nun mehr Geld an neue Auf­trag­neh­mer? Eine Ant­wort wird nicht gege­ben. Daher nun auch diese Pro­teste, um die For­de­run­gen der Leih­ar­bei­ter den Kie­lern näher zubringen.

Die Zukunft

Fakt ist, dass die Mit­ar­bei­ter der Firma Tabel zum 30.06.2010 ihren Job ver­lie­ren und für kei­nen der Tabel‐​Mitarbeiter klar ist, wie es nach die­sem Tag wei­ter­geht. Einige wer­den sicher­lich von den neuen Auf­trag­neh­mern über­nom­men. Aber es ist nicht klar, ob sich die Arbeits­be­din­gun­gen für die Mit­ar­bei­ter ver­bes­sern, oder ob sie wie­der nur an den nächs­ten wei­ter­ver­kauft wer­den. Es ist nicht klar, ob die neuen Auf­rag­neh­mer eine neue Pro­be­zeit ver­lan­gen. Es nicht klar, was mit den Mit­ar­bei­tern pas­siert, die nicht über­nom­men wer­den. Daher for­dern die Leih­ar­bei­ter, dass ein Sozi­al­plan erstellt wird, für die Kol­le­gen, die nicht erneut ein­ge­stellt wer­den. Die Frage des Lohns ist für die Mit­ar­bei­ter zweit­ran­gig, da sie alles wol­len, nur nicht ihren Job verlieren.

Fotos

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Über den Autor

Christoph Krenz Christoph Krenz

Foto­graf – Reporter

Kommentare


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user icon  tabel:

Ich finde die Füh­rungs­kräfte von TMI viel net­ter, als die von Tabel!

Sonntag, 25. April 2010, 16:04


user icon  elfefant:

Da muss ich tabel zustimmen.

Eine Lohn­er­hö­hung von elf Cent und Füh­rungs­kräfte die nett dabei sind, wenn sie einen jeden Tag wie einen Galee­rens­kla­ven behan­deln sind wirk­lich ein GEWAL­TI­GER Fortschritt…

Gruß elfe­fant

Sonntag, 25. April 2010, 22:43


user icon  Pirat:

Die­ser Betriebs­rat war das schlimmste was uns pas­sie­ren konnte! Die haben sich nicht um unsere Belange gekümmert,sondern nur darum der KN an die Karre zu pissen!!Jetzt kön­nen wir für 5,50€ bei irgend­ei­ner Zeit­ar­beits­firma U‐​Boote put­zen, aber wir sind ja auch nur „Vollpfosten„

Montag, 27. September 2010, 00:53


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