Samstag, 10. Juli 2010
Premiere am SeefischmarktEs hätte kein besserer Tag für die Premiere gewählt werden können, die Sonne schien vom blauen Himmel und das Wasser glitzerte. So konnten sich die Besucher von Anfang an in einem stimmungsvollen Ambiente wiederfinden. Aber so schön der Spielort auch ist, einen kleinen Nachteil hatten die hohen Temperaturen, und so war es in dem Theaterraum unglaublich heiß. Der Theaterbesuch beinhaltete also quasi einen Saunabesuch zusätzlich. Die warmen Temperaturen konnten die Schauspieler allerdings nicht davon abhalten, mit einer überzeugenden Darbietung zu glänzen.
„Und am Ende wird es nicht gut.…“, damit hat die Wirtin, gespielt von Almuth Schmidt, Recht behalten, denn der Walfang ist für den jungen und naiven Ismael nicht das Richtige. Dies erkennt das Publikum bald und auch seine Mitstreiter, nur Ismael, gespielt von Eirik Behrendt, ist dies nicht klar.
Jeder kennt die Geschichte um den weißen Wal, Ismael, seinen Freund Queequec und Kapitän Ahab, so dass die Story des Stücks nicht lange erklärt werden muss. Der junge Ismael möchte zur See fahren und heuert auf dem Walfangschiff „Pequod“ an. Dort trifft er auf eine raubeinige Crew und den verbissenen Kapitän Ahab, der nur seine Rache im Blick hat und den weißen Wal „Moby Dick“ töten will, denn dieser hat ihm das Bein abgerissen. Wie in vielen solcher Geschichten endet sie tragisch, denn die Crew wird zum Gejagten und alle sterben, außer Ismael.
Eine alte Gesichte, die jeder kennt, neu aufgelegt und durch hervorragende Schauspieler zum Leben erweckt. Eirik Behrendt überzeugt in seiner Rolle als blauäugiger Träumer Ismael, dem gar nicht so richtig klar ist, worauf er sich eigentlich einlässt. Aber nicht nur sein schauspielerisches Talent ist hier lobenswert, denn in „Moby Dick“ wird auch gesungen und so erwartet den Zuschauer eine Mischung aus Theater und Musical. Mit klarer und ausdrucksstarker Stimme nimmt Eirik Behrendt die Bühne ein und so ist nicht mehr schlimm, dass dem Zuschauer nur eine minimalistische Bühnendekoration, mit angedeutetem Schiff, geboten wird.
Aber nicht nur Eirik Behrendt glänzt in seiner Rolle, auch Marko Gebbert, der Ismaels Freund Queequec spielt, muss sich nicht verstecken. Mit einer ruhigen Gelassenheit spielt er den bemalten Harpunier aus dem fremden Land. Die beiden Schauspieler verkörpern gelungen die immer enger werdende Freundschaft zwischen den beiden Männern, eine richtige Männerfreundschaft eben.
Neben den rauen Seeleuen taucht aber auch immer wieder eine weitere Figur still und ruhig auf. Isabel Baumert verleiht mit klarer, ruhiger Stimme den Walen eine eigene Stimme und besticht durch ihre klaren, ruhigen Bewegungen in einer Welt aus rauen, lauten Seeleuten.
Dramatisch geht das Stück zu Ende eben so, wie man es erwartet hat und doch ist das Stück keineswegs langweilig, denn die Schauspieler spielen hervorragend und verleihen den Charakteren ihre ganz eigene Note. Die Gesangseinlagen machen das Stück komplett und lockern es immer wieder auf. Am Ende weiß der Zuschauer ganz sicher, dass Rache nie gut gehen kann und man sich überlegen sollte, ob man nicht doch einmal mehr vergeben sollte.
Wer nun Lust auf „Moby Dick“ bekommen hat, kann sich das Stück noch bis zum 18. Juli am Seefischmarkt anschauen.