Freitag, 26. Februar 2010
Tatort KielWo sonst hätte man eine Buchpremiere passenderweise stattfinden lassen können, wenn nicht in einer Buchhandlung. Inmitten der vielen Bücher, umgeben von Krimis zur Rechten sowie humorvoller Literatur zur Linken fanden sich zur Buchpremiere am Mittwochabend mit Andreas Franz vorwiegend weibliche Krimifans jeden Alters ein.
Mit seinem neuen Krimi‐Roman „Eisige Nähe“ hat der in Quedlinburg/Sachsen‐Anhalt geborene und heute in Hattersheim bei Frankfurt am Main lebende Autor Andreas Franz Kiel zum dritten Mal als Tatort des Geschehens gewählt. Man könnte sich also fragen, warum ist ausgerechnet Kiel Schauplatz des Verbrechens? Die Antwort ist ganz einfach: Andreas Franz hat in Kiel und Umgebung viele Jahre Urlaub gemacht, kennt die Gegend wie seine Westentasche. Seine Romanfiguren – die beiden Kripobeamten Sören Hennings und Lisa Santos spielen im neuen Fall eine eher untergeordnete Rolle. Hauptakteur in „Eisige Nähe“ ist der Auftragskiller mit dem so harmlos klingenden Namen Hans Schmidt. Hans Schmidt ist eine schillernde Persönlichkeit mit 1000 Masken und dem ein oder anderen Leser bereits aus einer vor Jahren von Andreas Franz verfassten Kurzgeschichte bekannt.
Doch wer glaubt, dass die Geschichte rund um Hans Schmidt frei erfunden ist, der täuscht. „Seine Fälle entsprechen leider viel zu oft der Realität“, so der Autor. So orientiert er sich in seinen Romanen stets an lebenden bzw. verstorbenen Personen und Ereignissen der Zeitgeschichte. Auch die sogenannte „Wattestäbchenaffäre“ findet sich in „Eisige Nähe“ wieder. Andreas Franz ist bekannt für seine ausgezeichneten Kontakte zur Polizei, zum Landes– wie Bundeskriminalamt und zu Staatsanwälten, ebenso sorgfältig ist seine Recherche. Die Kriminalität spielt sich tagtäglich praktisch vor unseren Augen ab – in der Politik, in der Wirtschaft, sei es in der Pharmaindustrie oder auch im Bank– und Finanzwesen – doch viel zu oft wird es von der Gesellschaft nicht als solche wahrgenommen. Immer geht es um die Frage nach Recht und Unrecht, Wahrheit oder Lüge und immer geht es darum kritisch zu hinterfragen. Deswegen bedeutet für Andreas Franz einen Kriminalroman zu schreiben gleichzeitig auch immer ein Sittengemälde zu malen, Missstände sichtbar zu machen und Wahrheiten niederzuschreiben, die manche nicht sehen oder nicht sehen wollen.
Gelesen hat an diesem Abend zur Enttäuschung einiger Gäste nicht der Autor selbst. Andreas Franz ließ Stephan Benson beim Lesen den Vortritt. Er hat zu allen drei Kiel‐Krimis die Hörbücher eingesprochen und Stephan Bensons wunderbar düster klingende Stimme passte perfekt zu Andreas Franz düsteren Geschichten. Zum Abschied versprach Andreas Franz, in zwei Jahren den nächsten Kiel‐Krimi in der Fördestadt zu präsentieren. Es bleibt also spannend.