Donnerstag, 14. Mai 2009
Wettkampfstimmung an der Kieler FördeDer Himmel tiefblau, die Sonne strahlte über Kiel und es war Wochenende: Alles in allem der perfekte Tag für einen Besuch der Kiellinie. Und so gings aufs Rad – die KVAG vereitelte eine Busfahrt dadurch, dass der Bus mal eben vier Minuten vor der geplanten Abfahrtszeit nur noch aus der Ferne zu sehen war – und schnell herunter ans Wasser. Dort empfing uns ein buntes Treiben mit fröhlichen Familien, lauter Musik und leckeren Düften von diversen Fastfoodständen.
Doch nicht nur das Wetter und das Wasser lockte, sondern auch die Teilnahme am „Kieler Entenrennen“ der inzwischen zum vierten Mal stattfindenden Benefizveranstaltung der sechs Kieler Lions‐Clubs und der Leos. Schon im letzten Jahr war die Teilnahme geplant, scheiterte jedoch an einem frühen Entenausverkauf. Gut für die karitative Sache, schlecht für uns. Und auch in diesem Jahr konnten die Veranstalter Sonntag mittag ein „Sold out!“ vermelden.
Beim Entenrennen werden jedes Mal durchnummerierte gelbe Badeenten gemeinsam an der Kiel‐Linie vor dem Landeshaus in die Freiheit entlassen. Diese Enten werden dann über eine festgelegte Rennstrecke bewegt, die Los‐Nummern‐Besitzer der 400 schnellsten Enten gewinnen attraktive Preise, die jedoch ausschließlich von Sponsoren gestellt werden. Der Verkaufserlös der 10.000 Enten, die zum Stückpreis von 5 Euro an verschiedenen Stellen verkauft wurden (Apotheken, Sandwichrestaurants, Immobilienhändler, eigene Verkaufsstände), geht in diesem Jahr komplett an die Regionalgruppe Kiel des Mukoviszidose e.V. Mit dem Erlös soll unter dem Motto: „Mensch für Menschen“ außerhalb der klinischen Behandlung eine Arztstelle zur weiteren Betreuung der Kranken und deren Angehörigen sicher gestellt werden.
Doch es wäre langweilig für Zuschauer wie für Besitzer, wenn diese 10.000 Enten alle in „quietschentchengelb“ an den Start gingen. Daher übertreffen sich kreative Menschen in jedem Jahr dabei, „ihre“ Ente zu etwas unverwechselbarem zu gestalten, und so waren zum Abgabezeitpunkt viele Enten in unterschiedlichen Farbschattierungen und sogar mit diversen Accessoires ausgestattet zu bewundern, bevor sie mit ihren zahlreichen „Kollegen“ in einen großen Sack gegeben und an die Startlinie der zuvor im Wasser eingerichteten Rennbahn wurden.
Auch wir hatten als Gruppe vier bemalte Enten abgegeben und harrten bei einem Prosecco auf Eis im direkt an der Startlinie gelegenen Louf dem Beginn des Rennens. Nach einem Extra‐Rennlauf für die diversen Sponsoren war es dann um 14 Uhr endlich soweit – die Menschenmassen drängten sich immer weiter an die kleine Kante der Kiellinie, das kleine Boot, dass auch für die „Strömung“ beim Rennen sorgte, stand bereit und pünktlich wurden die 10.000 Enten gleichzeitig von einem Feuerwehrschiff aus zu Wasser gelassen.
Laute Anfeuerungsrufe waren vom Publikum an der menschengesäumten Kiellinie zu hören, auch wenn zahlreiche Enten einen klassischen Fehlstart hinlegten („Köpfchen in das Wasser …“) und sich vom Hauptfeld abhängen ließen, welches sich in hoher Geschwindigkeit in Richtung Ziellinie bewegte. Auch die Kieler Möwen
ließen sich dieses Spektakel der besonderen Art nicht entgehen und landeten immer wieder auf den Begrenzungen der Rennbahn. Nicht wenige Zuschauer warteten wohl ebenso gebannt darauf, eine Möwe eine Ente stibitzen zu sehen wie auf das Ende des Rennens. Ansonsten war der Rennverlauf eher unspektakulär, nur einige wenige Enten trennten sich vom Hauptfeld an der rechten Seitenbegrenzung, um auf der linken ihr Glück zu versuchen, konnten sich jedoch dadurch keinen Wettbewerbsvorteil erhoffen.
Nach mäßig spannenden 20 Minuten mit einem weiterhin gut gelaunten Publikum standen die Sieger fest und durften in einem großen Sack Platz nehmen, der sie wohl in die zuvor vorbereitete Siegerlounge brachte – vermutlich ein überdimensionales Schaumbad. Die weniger glücklichen Schwestern und Brüder wurden in aller Ruhe aus dem Wasser gefischt,
um an Land später neue Besitzer kennenzulernen. Denn es war zwar möglich, mit einem vorher ausgehändigten Gewinnlos „eine“ Ente zurückzuerhalten, die Chance, die „eigene“ Ente wiederzufinden – so sie sich denn nicht unter den 400 glücklichen Sieger befindet – ist leider nahezu unmöglich.
Auch wenn sich der Trubel direkt am Landeshaus nach Ende des Rennens ein wenig zerstreute, so war die Kiellinie danach weiterhin gut besucht, an vielen Stellen sah man Kinder an Spielgeräten, an Glücksrädern oder einfach nur selig am Eis schleckend.