Samstag, 24. April 2010
Holstein Kiel
Gegen den Tabellenzwölften aus Thüringen wollte die KSV einmal mehr den sprichwörtlichen letzten Strohhalm ergreifen und den Abstand auf die Nichtabstiegsplätze drei Spiele vor Saisonende wieder verkürzen. Holstein‐Trainer Christian Wück stand dafür erstmals nach drei Partien Rot‐Sperre wieder Top‐Scorer Michael Holt zur Verfügung, er vertraute zunächst aber Sembolo und Cannizzaro im Sturmzentrum sowie Fiete Sykora hinter den Spitzen.
Die „Störche“ begannen auch durchaus engagiert, erkämpften sich bereits nach einer Minute den ersten Eckball und insgesamt leichte Feldvorteile. Torchancen konnten sich die Gastgeber indes nicht erarbeiteten, so dass Erfurt nach einem Eckball die erste Gelegenheit bekam: Eine Hereingabe des Brasilianers Rockenbach landete punktgenau auf dem Kopf von Tino Semmer, der allerdings nicht genug Druck hinter den Aufsetzer bekam – eine leichte Beute für Michael Frech (10.).
Die Partie schien dahinzuplätschern – bis zu einem fatalen Fehlpass von Lamprecht auf Rockenbach. Plötzlich sah sich Peter Schyrba zwei Gegenspielern gegenüber, nach einem feinen Doppelpass zwischen Kammlott und Rockenbach brauchte letzterer nur noch zur Erfurter Führung einschieben.
Diesen Schock nach rund einer Viertelstunde Spielzeit wussten die „Störche“ nicht zu verarbeiten. Die Hausherren leisteten sich nun Fehlpässe am Fließband und verspielten sich damit auch den letzten Kredit bei den Fans im sowieso nur spärlich gefüllten Holstein‐Stadion. Die rund 200 mitgereisten Rot‐Weiß‐Fans errangen auf den Rängen längst die Lärm‐Hoheit und sahen, wie ihre Mannschaft aus der Verunsicherheit der Kieler kein Kapital schlagen konnte. Rockenbach wirbelte die linke KSV‐Abwehrseite um Lamprecht und Siedschlag immer wieder schwindlig, ein zweiter Treffer wollte den Gästen aber nicht gelingen. Holstein hingegen kam im ersten Durchgang nur zu zwei kleinen Gelegenheiten durch Florian Meyer, doch sein missglücktes „Schüsschen“ nach Siedschlag‐Pass (23.) und sein flach getretener Freistoß aus 22 Metern (44.) verdienten sich nicht mehr als das Prädikat „Randnotiz“.
Für die zweite Halbzeit brachte Christian Wück Marc Heider für Cannizzaro, wenig später feierte auch Michael Holt sein Comeback – er kam für den auffälligen, aber oftmals völlig neben sich stehenden Lamprecht. Die ersten Chancen aber hatten die Erfurter. Zunächst köpfte Pohl eine Rockenbach‐Ecke über den Kasten (50.), dann rettete Frech in höchster Not gegen den einschussbereiten Kammlott.
Dass die „Störche“ überhaupt noch mitspielten, zeigte sich erst in der 60. Minute, als Francky Sembolo etwas zu ungestüm gegen Gästekeeper Orlishausen vorging, nachdem dieser einen Sykora‐Kopfball gerade noch auf der Torlinie festhalten konnte. Die Kieler wurden dadurch aber endlich mutiger: Holt testete Orlishausen mit seiner gewohnt erstklassigen Schusstechnik aus spitzem Winkel (63.). Sykora bediente Meyer mit einem starken Pass, doch Schiedsrichter Dankert entschied zum Entsetzen der Fans auf Abseits (66.).
Gefährlicher aber blieben die Gäste aus Erfurt, die nun auf die Vorentscheidung drängten: Eine Hereingabe von Kammlott verpasste Hillebrand im „Fünfer“ nur um Haaresbreite (67.), ein Freistoß Rockenbachs aus 27 Metern knallte ans Lattenkreuz (68.). Doch dann war es endgültig soweit: Eine Hereingabe von Hauswald von der rechten Seite landete beim überragenden Rockenbach, der von der Strafraumgrenze abzog. Der Torschuss wurde durch Kammlott unhaltbar für Michael Frech, der in die andere Ecke unterwegs war, abgefälscht – das 2:0 (72.).
Die Kieler Fans hatten nun endgültig genug von der schwachen Leistung ihrer Mannschaft: In Scharen verließen die Anhänger das Stadion. Diejenigen, die blieben, übten sich derweil in Sarkasmus und stimmten gemeinsam ein „Oh, wie ist das schön“ an. Zwar traf Michael Holt in der 84. Spielminute mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze nach Siedschlag‐Eckstoß zum 1:2, ein Aufbäumen war aber bei den Kielern auch nach dem Anschlusstreffer nicht zu erkennen. Vielleicht wussten die Spieler da auch schon, was die Fans erst wenige Minuten nach dem Schlusspfiff erfuhren: Gleichzeitig nämlich siegte die U23 von Werder Bremen mit 3:0 gegen Sandhausen, wodurch auch der Ausgleichstreffer für Holstein keine Rettungschance mehr gelassen hätte.
Drei Spiele vor Schluss ist der Abstieg für Holstein Kiel in die Regionalliga also bereits fix. Nun heißt es, sich in den verbleibenden Partien gegen Dresden (Anpfiff am Dienstag, den 27. April bereits um 18.30 Uhr), in Osnabrück und gegen Dortmund vernünftig aus der 3. Liga zu verabschieden.