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Samstag, 24. April 2010

Holstein Kiel

1:2 gegen Erfurt besiegelt Abstieg

Foto: Archiv
Foto: Archiv

Seit Sams­tag, den 24. April, 15.48 Uhr, ist unum­stöß­lich amt­lich, was sich seit vie­len Wochen andeu­tete: Durch eine 1:2 (0:1)-Heimniederlage der KSV Hol­stein gegen Rot‐​Weiß Erfurt ste­hen die „Stör­che“ als Abstei­ger aus der 3. Fußball‐​Liga fest. Nach einer indis­ku­ta­blen Leis­tung vor nur 2.681 Zuschau­ern im Holstein‐​Stadion kann der Ver­ein zumin­dest ab sofort die Pla­nun­gen für die nächste Spiel­zeit in der Regio­nal­liga Nord aufnehmen.

Gegen den Tabel­lenzwölf­ten aus Thü­rin­gen wollte die KSV ein­mal mehr den sprich­wört­li­chen letz­ten Stroh­halm er­greifen und den Abs­tand auf die Nicht­abstiegs­plätze drei Spiele vor Sais­onende wie­der ver­kür­zen. Holstein‐​Trainer Chris­tian Wück stand dafür erst­mals nach drei Par­tien Rot‐​Sperre wie­der Top‐​Scorer Michael Holt zur Ver­fü­gung, er ver­traute zunächst aber Sem­bolo und Can­niz­zaro im Sturm­zen­trum sowie Fiete Sykora hin­ter den Spitzen.

Feld­vor­teile, aber keine Gefahr

Die „Stör­che“ began­nen auch durch­aus enga­giert, erkämpf­ten sich bereits nach einer Minute den ers­ten Eck­ball und ins­ge­samt leichte Feld­vor­teile. Tor­chan­cen konn­ten sich die Gast­ge­ber indes nicht erar­bei­te­ten, so dass Erfurt nach einem Eck­ball die erste Gele­gen­heit bekam: Eine Her­ein­gabe des Bra­si­lia­ners Rocken­bach lan­dete punkt­ge­nau auf dem Kopf von Tino Sem­mer, der aller­dings nicht genug Druck hin­ter den Auf­set­zer bekam – eine leichte Beute für Michael Frech (10.).

Gegen­tor nach Lamprecht‐​Blackout

Die Par­tie schien dahin­zu­plät­schern – bis zu einem fata­len Fehl­pass von Lam­precht auf Rocken­bach. Plötz­lich sah sich Peter Schyrba zwei Gegen­spie­lern gegen­über, nach einem fei­nen Dop­pel­pass zwi­schen Kamm­lott und Rocken­bach brauchte letz­te­rer nur noch zur Erfur­ter Füh­rung einschieben.

Pfiffe gegen ver­un­si­cherte „Störche“

Die­sen Schock nach rund einer Vier­tel­stunde Spiel­zeit wuss­ten die „Stör­che“ nicht zu ver­ar­bei­ten. Die Haus­her­ren leis­te­ten sich nun Fehl­pässe am Fließ­band und ver­spiel­ten sich damit auch den letz­ten Kre­dit bei den Fans im sowieso nur spär­lich gefüll­ten Holstein‐​Stadion. Die rund 200 mit­ge­reis­ten Rot‐​Weiß‐​Fans erran­gen auf den Rän­gen längst die Lärm‐​Hoheit und sahen, wie ihre Mann­schaft aus der Ver­un­si­cher­heit der Kie­ler kein Kapi­tal schla­gen konnte. Rocken­bach wir­belte die linke KSV‐​Abwehrseite um Lam­precht und Sied­schlag immer wie­der schwind­lig, ein zwei­ter Tref­fer wollte den Gäs­ten aber nicht gelin­gen. Hol­stein hin­ge­gen kam im ers­ten Durch­gang nur zu zwei klei­nen Gele­gen­hei­ten durch Flo­rian Meyer, doch sein miss­glück­tes „Schüss­chen“ nach Siedschlag‐​Pass (23.) und sein flach getre­te­ner Frei­stoß aus 22 Metern (44.) ver­dien­ten sich nicht mehr als das Prä­di­kat „Randnotiz“.

Mehr Schwung dank Hei­der und Holt

Für die zweite Halb­zeit brachte Chris­tian Wück Marc Hei­der für Can­niz­zaro, wenig spä­ter fei­erte auch Michael Holt sein Come­back – er kam für den auf­fäl­li­gen, aber oft­mals völ­lig neben sich ste­hen­den Lam­precht. Die ers­ten Chan­cen aber hat­ten die Erfur­ter. Zunächst köpfte Pohl eine Rockenbach‐​Ecke über den Kas­ten (50.), dann ret­tete Frech in höchs­ter Not gegen den ein­schuss­be­rei­ten Kammlott.

Dass die „Stör­che“ über­haupt noch mit­spiel­ten, zeigte sich erst in der 60. Minute, als Francky Sem­bolo etwas zu unge­stüm gegen Gäs­te­kee­per Orlis­hau­sen vor­ging, nach­dem die­ser einen Sykora‐​Kopfball gerade noch auf der Tor­li­nie fest­hal­ten konnte. Die Kie­ler wur­den dadurch aber end­lich muti­ger: Holt tes­tete Orlis­hau­sen mit sei­ner gewohnt erst­klas­si­gen Schus­s­tech­nik aus spit­zem Win­kel (63.). Sykora bediente Meyer mit einem star­ken Pass, doch Schieds­rich­ter Dan­kert ent­schied zum Ent­set­zen der Fans auf Abseits (66.).

Über­ra­gen­der Rocken­bach erzwang Entscheidung

Gefähr­li­cher aber blie­ben die Gäste aus Erfurt, die nun auf die Vor­ent­schei­dung dräng­ten: Eine Her­ein­gabe von Kamm­lott ver­passte Hil­le­brand im „Fün­fer“ nur um Haa­res­breite (67.), ein Frei­stoß Rocken­bachs aus 27 Metern knallte ans Lat­ten­kreuz (68.). Doch dann war es end­gül­tig soweit: Eine Her­ein­gabe von Haus­wald von der rech­ten Seite lan­dete beim über­ra­gen­den Rocken­bach, der von der Straf­raum­grenze abzog. Der Tor­schuss wurde durch Kamm­lott unhalt­bar für Michael Frech, der in die andere Ecke unter­wegs war, abge­fälscht – das 2:0 (72.).

Holt nur mit Ergebniskosmetik

Die Kie­ler Fans hat­ten nun end­gül­tig genug von der schwa­chen Leis­tung ihrer Mann­schaft: In Scha­ren ver­lie­ßen die Anhän­ger das Sta­dion. Die­je­ni­gen, die blie­ben, übten sich der­weil in Sar­kas­mus und stimm­ten gemein­sam ein „Oh, wie ist das schön“ an. Zwar traf Michael Holt in der 84. Spiel­mi­nute mit einem sat­ten Schuss von der Straf­raum­grenze nach Siedschlag‐​Eckstoß zum 1:2, ein Auf­bäu­men war aber bei den Kie­lern auch nach dem Anschluss­tref­fer nicht zu erken­nen. Viel­leicht wuss­ten die Spie­ler da auch schon, was die Fans erst wenige Minu­ten nach dem Schluss­pfiff erfuh­ren: Gleich­zei­tig näm­lich siegte die U23 von Wer­der Bre­men mit 3:0 gegen Sand­hau­sen, wodurch auch der Aus­gleichs­tref­fer für Hol­stein keine Ret­tungs­chance mehr gelas­sen hätte.

Drei Spiele vor Schluss ist der Abstieg für Hol­stein Kiel in die Regio­nal­liga also bereits fix. Nun heißt es, sich in den ver­blei­ben­den Par­tien gegen Dres­den (Anpfiff am Diens­tag, den 27. April bereits um 18.30 Uhr), in Osna­brück und gegen Dort­mund ver­nünf­tig aus der 3. Liga zu verabschieden.

Spiel­sta­tis­tik

  • KSV Hol­stein – FC Rot‐​Weiß Erfurt: 1:2 (0:1)
  • KSV: Frech – Schulz, Roh­wer (69. Jerat), Schyrba, Lam­precht (55. Holt) – Mül­ler, Meyer, Sied­schlag, Sykora – Can­niz­zaro (46. Hei­der), Sembolo
  • RWE: Orlis­hau­sen – Hil­le­brand, Möckel, Pohl, Mal­ura (46. Hum­bert) – Sem­mer, Cinaz, Sten­zel, Haus­wald – Rocken­bach (87. Lütt­mann), Kammlott
  • Tore: 0:1 Rocken­bach (15.), 0:2 Kamm­lott (72.), 1:2 Holt (84.)
  • Schieds­rich­ter: Bas­tian Dank­ert (Rostock)
  • Zuschauer: 2.681 im Holstein‐​Stadion

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Sascha Krokowski Sascha Krokowski

Handball‐​Fan :: Musik­freak :: Zweck­pes­si­mist :: stil­ler Bes­ser­wis­ser :: chro­nisch pleite :: über­zeugt von der Echt‐​Reunion 2010 :: Rivella‐​süchtig

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