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Mittwoch, 01. September 2010

Zapata Buchhandlung

Überraschende Kündigung

Ende des Jahres ist an dieser Stelle Schluss - Foto: KIK
Ende des Jahres ist an dieser Stelle Schluss - Foto: KIK

Nach einer Soli­da­ri­täts­kund­ge­bung vie­ler Bür­ger und poli­ti­scher Grup­pen, die nach einer Häu­fung von rechts­ra­di­ka­len Über­grif­fen auf die Buch­hand­lung Zapata abge­hal­ten wurde, schien die Welt wie­der etwas mehr in Ord­nung. Doch nun wurde der Miet­ver­trag gekün­digt. Damit muss die Stadt­teil­buch­hand­lung bis zum Jah­res Ende den seit 30 Jah­ren ange­stamm­ten Platz räumen.

Harald Mücke, Geschäfts­füh­rer der Buch­hand­lung Zapata, glaubte, nach­dem ihm durch Spen­den durch den „Run­den Tisch gegen Ras­sis­mus und Faschis­mus“ bau­li­che Ver­än­de­run­gen ermög­licht wur­den, die Welt wie­der in Ord­nung. Doch nach­dem er die Ver­mie­te­rin über diese Maß­nah­men unter­rich­tete, flat­terte ihm die Kün­di­gung ins Haus. Juris­tisch ein­wand­frei aber uner­war­tet und unbe­grün­det hat die Kün­di­gung eine ver­hee­rende Wir­kung. Nicht nur, dass eine der letz­ten Stadt­teil­buch­hand­lun­gen in Deutsch­land die Exis­tenz kos­ten kann, son­dern auch als Signal an die Geg­ner die­ses Geschäfts aus dem rechts­ra­di­ka­len Bereich. Diese könn­ten diese Maß­nahme als Sieg und als Folge des Van­da­lis­mus inter­pre­tie­ren. Dass dies aber nicht im Inter­esse der Ver­mie­te­rin sein könne, ließ ihre Teil­nahme bei der Soli­da­ri­täts­kund­ge­bung zu Guns­ten der Buch­hand­lung Zapata vermuten.

Neue Räume

Jetzt ist Harald Mücke auf der Suche nach neuen Geschäfts­räu­men, denn das Geschäft möchte er unter kei­nen Umstän­den auf­ge­ben. Er hat aber hohe Ansprü­che an die neuen Räume. An ers­ter Stelle steht, dass die neuen Geschäfts­räume im nahen Umkreis der alten Räume sein müs­sen. Er ver­steht sein Geschäft als Stadt­teil­buch­hand­lung mit einem fes­ten Kun­den­stamm, der sich aus der unmit­tel­ba­ren Umge­bung gene­riert. Gerade mal 10% des Umsat­zes macht er mit expli­zi­ter lin­ker Lite­ra­tur, obwohl er auch oft mit Buch­ti­schen bei Aktio­nen oder Ver­an­stal­tun­gen von lin­ken Orga­ni­sa­tio­nen dabei ist. Der Rest gene­riert sich aus einer sehr gro­ßen Aus­wahl an Kin­der– und Jugend­li­te­ra­tur, inter­na­tio­na­ler Lite­ra­tur, Bestel­lun­gen und als Depot‐​Buchladen des „Ver­lag an der Ruhr“, ein Schul­buch­ver­lag, der noch in Lübeck eine wei­tere Depot‐​Buchhandlung hat. Müsste er wei­ter ent­fernte neue Räume bezie­hen, sieht Harald Mücke die­sen Kun­den­stamm gefähr­det, unter denen auch viele ältere Bür­ger sind, die er zwar gerne auch mit Haus­lie­fe­run­gen ver­sorge, wel­che aber dann sel­te­ner sein Geschäft auf­su­chen wür­den. Einen neuen Kun­den­stamm an neuer Stelle auf­zu­bauen, bräu­che Zeit, die aber das Geschäft nicht habe.

Das volle Pro­gramm an Lite­ra­tur – Foto: KIK
Für ihn sei wich­tig, dass der Wohl­fühl­fak­tor für seine Kun­den erhal­ten bliebe. Da die alternativ‐​kritische Buch­hand­lung immer knapp bei Kasse sei, dürf­ten die neuen Räume auf jeden Fall nicht mehr kos­ten, als die alten Geschäfts­räume. Jedoch sei für den Geschäfts­füh­rer wich­tig, dass ein Büro und ein klei­nes Lager vor­han­den seien. Er hoffe, dass sich alles zum Bes­ten wende, denn es sei ihm wich­tig, dass es auch in einer Stadt wie Kiel einen Gegen­pol zu den gro­ßen Ket­ten wie Tha­lia oder Wei­land gebe. Dort ver­miss­ten die Kun­den gute Bera­tung, ein aus­ge­wo­ge­nes Ange­bot und die Erfül­lung von beson­de­ren Buch­wün­schen, so der Buch­händ­ler Mücke. Es käme vor, dass Kun­den bei ihm doch noch ein Buch bestel­len könn­ten, obwohl der Händ­ler bei der Kette es als ver­grif­fen bezeich­net habe. Durch die­sen Ser­vice kämen viele Kun­den immer wie­der zurück.

Lei­der konn­ten wir die Ver­mie­te­rin bis­her zu einer Stel­lungs­nahme nicht errei­chen. Wir hof­fen aber, dass wir auch diese noch ein­ho­len kön­nen, um even­tu­ell nähere Gründe für die­sen Schritt erfah­ren zu können.

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Über den Autor

Christoph Krenz Christoph Krenz

Foto­graf – Reporter

Kommentare


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user icon  Jürgen Krämer:

Ein Trau­er­spiel! Zapata ist für mich immer ein siche­rer Hafen, was anspruchs­volle Lite­ra­tur betrifft. Es wäre eine Schande, wenn es nicht gelänge, den Laden dort zu erhal­ten, zumal ich die Räum­lich­kei­ten char­mant finde. Und das die rech­ten Wirr­köpfe nun doch ihr Ziel über eine Kün­di­gung errei­chen soll­ten, ist mir ein Fin­ger im Hals!

Kopf hoch, es geht weiter!!!

Donnerstag, 02. September 2010, 10:51


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