Sonntag, 15. Mai 2011
ClickClickDecker im WeltrufTrotz vollem Haus herrschte heimelige Atmosphäre. Ob auf der bestuhlten Tanzfläche oder auf einem der exklusiven Plätze in den „Rettungsbooten“, das Publikum schien voll wohlwissender Vorfreude und wurde nicht enttäuscht. Für einen gelungenen Einstieg sorgte Spaceman Spiff – mit bürgerlichem Namen Hannes Wittmer – aus Hamburg. Nach seinem ersten Album „Bodenangst“ steht nun seit Kurzem das zweite Album „und im fenster immer noch wetter“ in den Läden. Darauf geht es um Gefühle und Unsicherheit, die Wahlheimat Hamburg und den Schnee von gestern. Auf der Bühne merkt man, der Weltraummann, wie er sich selbst zuweilen nennt, erzählt Geschichten von sich selbst. Und mit dem Multiinstrumentalisten Felix Weigt an seiner Seite gelingt es wunderbar, diese Geschichten zu Musik zu machen.
Man hätte auch den ganzen Abend lang weiter dem Spaceman zuhören können, aber als Kevin Hamann alias ClickClickDecker loslegte, wusste man auch wieder, warum man eigentlich da war. Und es wurde auch deutlich, warum das vierte ein Live‐Album geworden ist: „Du Ich Wir beide zu den Fliegenden Bauten“. Denn was Hamann zusammen mit seinem ebenfalls sehr vielseitigen Mitstreiter Oliver Stangl auf der Bühne veranstaltet, ist allemal „besser als Kunst“. Mal dröhnen kuriose Rhytmen, bei denen man sich im ersten Moment nicht ganz sicher ist, ob das wirklich so soll, mal erklingt ganz schlcht nur Klaviersound und Glockenspiel. Durchgängig ist jedoch zu hören, dass die Zwei die Dinge mögen, die sie machen und sich auf der Bühne zuhause fühlen. Was nicht verwunderlich ist, denn Kevin Hamann ist bereits seit fast zehn Jahren auch mit anderen musikalischen Projekten auf deutschen Bühnen unterwegs. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist nicht alles vohrher einstudiert und es bleibt Raum für spontane Standortwechsel und ein familiäres Nase‐Schnauben.
Eher privat ist es auch, wovon ClickClickDecker singt. Ob es sich nunum so einfache Erkenntnisse wie „Niemand tanzt so kacke wie ich“ handelt oder um weltbewegende Fragen wie „Ist das Leben zum Leben ungeeignet?“, die Texte drehen sich um Themen, die wohl fast jedem am Herzen liegen. Mehr in Moll als in Dur, eher leise als laut singt Hamann mit eindringlicher Stimme, die sich vor lauer Emotion auch gerne mal überschlägt, von den Dingen des Alltags, von Sinn und Unsinn und den zeitweiligen Ausweglosigkeiten, die jeder kennt. Und so ist sich spätestens bei der Zugabe jeder sicher, dass er dort ist, wo er hingehört: auf einem großartigen Konzert.