// Konzertreview

Sonntag, 15. Mai 2011

ClickClickDecker im Weltruf

"Wenn sie dich fragen, wo wir war'n..."

ClickClickDecker begeisterten das Publikum im Weltruf mit einem Konzert in familiärer Atmosphäre.
ClickClickDecker begeisterten das Publikum im Weltruf mit einem Konzert in familiärer Atmosphäre.

Mit sei­nen fri­schen bis nach­denk­li­chen, teil­weise melan­cho­lisch anmu­ten­den Songs ver­zau­berte Click­Click­De­cker am Sams­tag (14.05.) das aus­ver­kaufte Welt­ruf. Ob es nun um kleine Ges­ten ging oder große phi­lo­so­phi­sche Fra­gen, die Her­ren auf der Bühne wuss­ten, was sie taten und lie­fer­ten damit einen erst­kals­si­gen Singer/​Songwriterabend und eine her­vor­ra­gende Alter­na­tive zum Euro Vision Song Contest.

Spa­ce­man Spiff macht seine Geschich­ten zur Musik. Foto: AKG
Trotz vol­lem Haus herrschte hei­me­lige Atmo­sphäre. Ob auf der bestuhl­ten Tanz­flä­che oder auf einem der exklu­si­ven Plätze in den „Ret­tungs­boo­ten“, das Publi­kum schien voll wohl­wis­sen­der Vor­freude und wurde nicht ent­täuscht. Für einen gelun­ge­nen Ein­stieg sorgte Spa­ce­man Spiff – mit bür­ger­li­chem Namen Han­nes Witt­mer – aus Ham­burg. Nach sei­nem ers­ten Album „Boden­angst“ steht nun seit Kur­zem das zweite Album „und im fens­ter immer noch wet­ter“ in den Läden. Dar­auf geht es um Gefühle und Unsi­cher­heit, die Wahl­hei­mat Ham­burg und den Schnee von ges­tern. Auf der Bühne merkt man, der Welt­raum­mann, wie er sich selbst zuwei­len nennt, erzählt Geschich­ten von sich selbst. Und mit dem Mul­ti­in­stru­men­ta­lis­ten Felix Weigt an sei­ner Seite gelingt es wun­der­bar, diese Geschich­ten zu Musik zu machen.

Man hätte auch den gan­zen Abend lang wei­ter dem Spa­ce­man zuhö­ren kön­nen, aber als Kevin Hamann alias Click­Click­De­cker los­legte, wusste man auch wie­der, warum man eigent­lich da war. Und es wurde auch deut­lich, warum das vierte ein Live‐​Album gewor­den ist: „Du Ich Wir beide zu den Flie­gen­den Bau­ten“. Denn was Hamann zusam­men mit sei­nem eben­falls sehr viel­sei­ti­gen Mit­strei­ter Oli­ver Stangl auf der Bühne ver­an­stal­tet, ist alle­mal „bes­ser als Kunst“. Mal dröh­nen kuriose Rhyt­men, bei denen man sich im ers­ten Moment nicht ganz sicher ist, ob das wirk­lich so soll, mal erklingt ganz schlcht nur Kla­vier­sound und Glo­cken­spiel. Durch­gän­gig ist jedoch zu hören, dass die Zwei die Dinge mögen, die sie machen und sich auf der Bühne zuhause füh­len. Was nicht ver­wun­der­lich ist, denn Kevin Hamann ist bereits seit fast zehn Jah­ren auch mit ande­ren musi­ka­li­schen Pro­jek­ten auf deut­schen Büh­nen unter­wegs. Trotz­dem – oder viel­leicht gerade des­halb – ist nicht alles vohr­her ein­stu­diert und es bleibt Raum für spon­tane Stand­ort­wech­sel und ein fami­liä­res Nase‐​Schnauben.

Click­Click­De­cker. Foto: AKG
Eher pri­vat ist es auch, wovon Click­Click­De­cker singt. Ob es sich nunum so ein­fa­che Erkennt­nisse wie „Nie­mand tanzt so kacke wie ich“ han­delt oder um welt­be­we­gende Fra­gen wie „Ist das Leben zum Leben unge­eig­net?“, die Texte dre­hen sich um The­men, die wohl fast jedem am Her­zen lie­gen. Mehr in Moll als in Dur, eher leise als laut singt Hamann mit ein­dring­li­cher Stimme, die sich vor lauer Emo­tion auch gerne mal über­schlägt, von den Din­gen des All­tags, von Sinn und Unsinn und den zeit­wei­li­gen Aus­weg­lo­sig­kei­ten, die jeder kennt. Und so ist sich spä­tes­tens bei der Zugabe jeder sicher, dass er dort ist, wo er hin­ge­hört: auf einem groß­ar­ti­gen Konzert.

Über den Autor

Ute Bergmann Ute Bergmann

…ist 2006 zum Stu­dium der Euro­päi­schen Ethnologie/​Volkskunde, Sla­vis­tik und Psy­cho­lo­gie nach Kiel gekom­men. Mitt­ler­weile hat sie ihren Magis­ter in der Tasche und fühlt sich in Kiel wie zuhause.

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